Katalin Pöge

entweder, und. 47 Trainings für mehr Spielräume im Denken & Leben

Das Buch ist der Anfang.

„entweder, und“ ist ein Übungsbuch für Perspektivwechsel. Es vermittelt keine Methode und liefert keine fertigen Antworten, sondern stellt Fragen und öffnet Denkräume, in denen Erfahrungen möglich werden.

Die 47 Trainings sind darauf angelegt, das eigene Denken bewusster wahrzunehmen, vertraute Muster zu prüfen und dort Möglichkeiten zu entdecken, wo bisher eine Entweder-oder-Entscheidung stand.

Geschrieben hat es die Künstlerin und Trainerin Katalin Pöge, die künstlerisches Denken seit über 20 Jahren in Bildung, Organisationen und Demokratiearbeit einsetzt.

Eckdaten zum Buch

Autorin Katalin Pöge
Verlagsimprint Bubble Your Hub
Erscheinungstermin 28. Mai 2026
Auflage 1. Auflage
Umfang 236 Seiten
Format Softcover, 15,2 × 2,2 × 22,1 cm
Sprache Deutsch
ISBN-13 978-3-88777-108-9
ISBN-10 3887771087
Preis 23,90 €

Was du in diesem Buch erfährst

… warum ein „entweder, und“ oft mehr Handlungsspielraum eröffnet als ein „entweder, oder“ – und an welchen Stellen im Alltag sich das übersetzen lässt.

… wie du in 47 Trainings Perspektivwechsel übst: allein, zu zweit oder im Team, jeweils als Erfahrung statt als Theorie.

… wie du erkennst, welche Denkmuster deine Auswahl vorsortieren, bevor du überhaupt wählst.

… warum gute Fragen weiter führen als schnelle Antworten – und wie du Fragen stellst, auf die du von allein nicht kommen würdest.

… was es mit deiner Handlungsfähigkeit macht, wenn du mehr Widerspruch aushältst, statt ihn schnell aufzulösen.

… warum Kreativität keine Begabung weniger Menschen ist, sondern trainierbar – mit Belegen aus der Forschung.

… wie in Gruppen ein Klima entsteht, in dem ungewöhnliche Gedanken überhaupt ausgesprochen werden.

… wie sich der Blick von dem, was fehlt, auf das verschiebt, was schon da ist – und was daraus entstehen kann.

Sowohl-als-auch-Denken: was kognitive Flexibilität ist und wie sie sich üben lässt

Was heißt Sowohl-als-auch-Denken?

Sowohl-als-auch-Denken bezeichnet die Fähigkeit, zwei scheinbar gegensätzliche Möglichkeiten gleichzeitig gelten zu lassen, statt sich vorschnell für eine zu entscheiden. Es ist kein Verzicht auf Entscheidungen, sondern eine Verschiebung im Ablauf: Erst wird der Raum geöffnet, in dem mehr als zwei Optionen sichtbar werden, dann wird gewählt. In der Psychologie wird der zugrunde liegende Mechanismus meist als kognitive Flexibilität beschrieben – die Fähigkeit, Denk- und Verhaltensmuster an veränderte Anforderungen anzupassen. In der Organisationsforschung heißt die verwandte Haltung „paradox mindset“: die Bereitschaft, Spannungen auszuhalten, statt sie sofort aufzulösen.

Viele gegenwärtige Fragen lassen sich nicht mehr in einfachen Gegensätzen beantworten. Gleichzeitig wächst der Entscheidungsdruck: In Beruf, Konsum und öffentlicher Debatte stehen mehr Optionen zur Verfügung als je zuvor, und die Zahl der Optionen allein macht die Wahl nicht leichter. Die Fähigkeit, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen und das eigene Denken zu prüfen, wird damit zu einer praktischen Alltagskompetenz – und, so das Argument von „entweder, und“, zu einer Voraussetzung dafür, in einer Demokratie handlungsfähig zu bleiben. Wer nur zwischen vorgegebenen Alternativen wählt, gestaltet nicht, sondern reagiert.

Was die Forschung weiß

Kognitive Flexibilität ist eine Leistung mehrerer Hirnnetzwerke

Kognitive und behaviorale Flexibilität ermöglichen es, Gedanken und Verhalten an veränderte Umweltanforderungen anzupassen. Ein Übersichtsartikel von Lucina Q. Uddin in Nature Reviews Neuroscience fasst zusammen, dass daran großräumige Netzwerke beteiligt sind – unter anderem frontoparietale, midcingulo-insuläre und frontostriatale Regionen – und dass Flexibilität über die gesamte Lebensspanne hinweg eine Rolle spielt.

Sie ist also keine einzelne Fähigkeit, sondern das Zusammenspiel mehrerer Prozesse: Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtnis, Hemmung und Umschalten.

Uddin, L. Q. (2021): Cognitive and behavioural flexibility: neural mechanisms and clinical considerations. Nature Reviews Neuroscience 22(3), S. 167–179. DOI 10.1038/s41583-021-00428-w

Senne Braem und Tobias Egner tragen in Current Directions in Psychological Science Befunde zusammen, nach denen sich kognitive Flexibilität durch einfache Anreize und Kontextreize konditionieren lässt – sie folgt damit denselben Lernprinzipien wie andere Verhaltensweisen.

Wer häufiger in Situationen kommt, in denen sich das Umschalten lohnt, schaltet auch leichter um. Die Kehrseite ist in der Forschung als Flexibilitäts-Stabilitäts-Abwägung bekannt: Mehr Beweglichkeit geht zulasten der Fähigkeit, an einer Sache dranzubleiben. Beides zu brauchen, ist der Normalfall.

Braem, S. & Egner, T. (2018): Getting a grip on cognitive flexibility. Current Directions in Psychological Science 27(6), S. 470–476. DOI 10.1177/0963721418787475

Wie eng, zeigt eine Längsschnittstudie von Daniela Kloo, Larissa J. Kaltefleiter und Beate Sodian mit 108 Kindern: Wer mit 27 Monaten früh die Perspektive anderer einnehmen konnte, zeigte mit 52 Monaten sowohl komplexere Perspektivübernahme als auch höhere kognitive Flexibilität.

Die Studie stammt aus der Entwicklungspsychologie und beschreibt einen Zusammenhang, keine Ursache – und sie sagt nichts darüber aus, ob sich der Effekt bei Erwachsenen durch Übung herstellen lässt.

Sie zeigt aber, dass beide Fähigkeiten aus derselben Wurzel wachsen: aus der Einsicht, dass ein und dieselbe Sache von verschiedenen Standpunkten aus verschieden aussieht.

Kloo, D.; Kaltefleiter, L. J. & Sodian, B. (2024): Early perspective taking predicts later cognitive flexibility. Infant and Child Development 33(6), e2537. DOI 10.1002/icd.2537

In der Organisationsforschung beschreibt der Begriff „Paradox Mindset“ das Ausmaß, in dem jemand Spannungen annimmt und sogar Energie aus ihnen zieht.

Eine vielzitierte Untersuchung von Ella Miron-Spektor und Kolleg:innen im Academy of Management Journal zeigt: Bei Menschen, die über einen solchen Denkrahmen verfügen, wirken sich erlebte Spannungen positiv auf Leistung und Innovationsverhalten aus. Bei Menschen ohne diesen Denkrahmen wirken dieselben Spannungen hemmend.

Nicht die Spannung entscheidet also, sondern der Umgang mit ihr.

Miron-Spektor, E.; Ingram, A.; Keller, J.; Smith, W. K. & Lewis, M. W. (2018): Microfoundations of organizational paradox. Academy of Management Journal 61(1), S. 26–45.

Häufige Missverständnisse

„Mehr Möglichkeiten bedeuten mehr Freiheit"

Der bekannteste Gegenbeleg ist die Marmeladenstudie von Sheena Iyengar und Mark Lepper aus dem Jahr 2000: An einem Probierstand mit 24 Sorten blieben mehr Menschen stehen, gekauft haben aber nur 3 Prozent von ihnen – am Stand mit 6 Sorten waren es rund 30 Prozent.

Die Studie wurde zur Grundlage eines populären Schlagworts, und genau hier lohnt der zweite Blick: Eine Metaanalyse von Benjamin Scheibehenne und Kollegen fasste rund 50 Experimente mit gut 5.000 Teilnehmenden zusammen und fand im Mittel praktisch keinen Effekt.

Überforderung durch Auswahl tritt auf, aber nicht immer – sie hängt davon ab, wie vergleichbar die Optionen sind, wie viel auf dem Spiel steht und wie gut man sich auskennt.

Die belastbare Aussage lautet also nicht „weniger ist mehr“, sondern: Die Zahl der Optionen sagt für sich genommen wenig darüber aus, wie frei eine Entscheidung ist.

Eine Metaanalyse von Ginamarie Scott, Lyle E. Leritz und Michael D. Mumford wertete 70 Studien mit insgesamt 4.210 Teilnehmenden aus und fand, dass gut gemachte Kreativitätstrainings die Leistung verbessern – über verschiedene Messgrößen, Settings und Zielgruppen hinweg. Wirksam waren vor allem Programme, die kognitive Fähigkeiten und deren Anwendung trainieren und mit realistischen Aufgaben aus dem jeweiligen Feld arbeiten. Kreativität ist damit weniger ein Merkmal, das man hat, als eine Praxis, die man betreibt.

Eine Perspektive einnehmen heißt nicht, sie zu übernehmen. Der Unterschied liegt zwischen Verstehen und Zustimmen: Wer nachvollziehen kann, warum jemand zu einer anderen Einschätzung kommt, gibt die eigene nicht auf. Umgekehrt setzt eine begründete Position voraus, dass man die Alternativen überhaupt kennt.

Sowohl-als-auch-Denken beschreibt, wie ein Möglichkeitsraum entsteht, nicht ob am Ende entschieden wird. In der Paradox-Forschung ist das explizit: Es geht darum, Spannungen produktiv zu halten, nicht darum, sie zu vermeiden. Das Gegenteil von Haltung ist nicht Offenheit, sondern Gleichgültigkeit.

Die Formulierung kursiert als Erklärung dafür, warum wir mit der modernen Reizdichte schlecht zurechtkommen. Belegen lässt sie sich so nicht.

Richtig ist: Evolutionäre Veränderungen des Gehirns brauchen sehr viel längere Zeiträume, als seit Beginn der Schriftkultur vergangen sind, und es gibt keine direkten Belege dafür, dass sich unsere kognitiven Fähigkeiten in den letzten Jahrhunderten verändert hätten.

Die Vernetzung des Gehirns wird jedoch lebenslang umgebaut und ist stark von Umweltreizen abhängig – besonders in den ersten Lebensjahren.

Die belegbare Aussage lautet also nicht, dass unser Gehirn seit einem bestimmten Datum stillsteht, sondern dass sich seine Grundausstattung nicht im Tempo unserer Umwelt verändert, seine Vernetzung aber sehr wohl formbar bleibt.

Einordnung nach Philipp Gunz, Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie, in: dasGehirn.info.

Der Unterschied, den ein trainierter Perspektivwechsel macht, zeigt sich zuerst an den Fragen. Vor der Übung kreisen viele Gedanken um das, was fehlt: Was habe ich nicht? Was hält mich ab? Was muss ich noch erreichen, damit es gut wird? Danach verschiebt sich der Fokus von Mangel auf Möglichkeit – und statt vorschneller Antworten entstehen neue Fragen. „entweder, und“ arbeitet deshalb nicht mit Erkenntnissen, sondern mit Erfahrungen: 47 kurze Trainings, die im Alltag ausprobiert werden und ihren Effekt erst in der Anwendung entfalten. Der Anspruch ist ausdrücklich nicht, Menschen zu verändern, sondern ihren Blick auf sich selbst und die Welt zu erweitern.

„Nicht Gewissheit erweitert unseren Handlungsspielraum" – Katalin Pöge im Interview

Das Interview wurde schriftlich geführt. Redaktion: Bubble Your Hub, 2026.

Wenn du jemandem das Thema deines Buchs in einem Satz erklären müsstest – wie würdest du das sagen?

Mein Buch zeigt, warum die Welt längst ein UND ist – und wie wir lernen können, auch so zu denken. Es handelt davon, wie wir mehr Möglichkeiten sehen: indem wir vertraute Denkmuster hinterfragen und den Spielraum entdecken, der zwischen einem Entweder-oder liegt.

Was glauben die meisten Menschen über Selbstfindung, das du nach deiner Praxis für schlicht falsch hältst?

Viele Menschen glauben, sie müssten erst die richtige Antwort über sich selbst finden. Oder verstehen, wie etwas funktioniert, um sich darin auszuprobieren.

Ich glaube, dass wir viel mehr gewinnen, wenn wir lernen, bessere Fragen zu stellen. Nicht Gewissheit erweitert unseren Handlungsspielraum, sondern die Bereitschaft, Möglichkeiten offen zu halten. Wenn wir lernen, mehr Dissonanz auszuhalten, eröffnen wir uns Zukunftskompetenzen und Betrachtungsräume jenseits von Falsch und Richtig.

Was passiert tatsächlich im Kopf, im Körper und in Teams, wenn Menschen ihrer kreativen Natur vertrauen?

Es entsteht mehr als eine gute Idee oder ein innovatives Produkt. Menschen beginnen, anders auf sich und die Welt zu schauen. Plötzlich tauchen Möglichkeiten auf, die vorher nicht sichtbar waren. Gemachte Erfahrungen verbinden sich neu, Gedanken dürfen Umwege gehen, und Fragen werden wichtiger als schnelle Antworten.

Es geht nicht um Effizienz, sondern um eine andere Qualität des Erlebens. Kreativität ist für mich deshalb kein Geistesblitz, sondern die Bereitschaft, offen zu bleiben und den eigenen Impulsen zu vertrauen.

Auf der körperlichen Ebene erlebe ich oft, dass Druck abfällt. Nichts beweisen zu müssen, ist für viele eine große Erleichterung. Es entsteht mehr Neugier, mehr Spielfreude, mehr Lust auszuprobieren. Unsicherheit verschwindet dadurch nicht, aber sie verliert ihren Schrecken: Sie wird Teil des Prozesses und nicht länger sein Gegner.

In Teams passiert etwas Ähnliches. Wenn Menschen merken, dass ungewöhnliche Gedanken willkommen sind, entsteht ein Klima, in dem Ideen wachsen können. Die Angst, etwas Falsches zu sagen, fällt weg. Es wird mehr gefragt, mehr zugehört, häufiger gemeinsam weitergedacht.

Kreativität ist deshalb für mich keine besondere Begabung einzelner. Sie entsteht überall dort, wo Vertrauen größer wird als die Angst, etwas Falsches zu sagen – und damit ist sie auch ein Werkzeug für demokratische Prozesse und für Verbindung zwischen Menschen.

Gab es einen konkreten Moment, der dich erkennen ließ, dass es dieses Buch braucht?

Ja. Ich arbeite als Dozentin bei der Bundesakademie für Kulturelle Bildung und bei anderen Trägern, wo es um Demokratieförderung geht. Immer wieder fragten mich Teilnehmende nach den Seminaren, ob ich diese oder jene Betrachtungsweise, diese neue Perspektive noch einmal wiederholen könne.

Da wurde mir klar, dass es vielen Menschen nicht so leichtfällt, spielerisch die Ebenen und Betrachtungswinkel zu wechseln, wie ich das als Künstlerin für normal halte.

Dabei geht es mir nicht darum, künstlerisches Denken und Handeln als Kreativmethode zu vermitteln. Das ist es nicht.

Als Bürgerinnen und Bürger in einer lebendigen Demokratie brauchen wir – individuell wie gemeinsam – Inspirationsräume, Werkzeuge und Möglichkeiten, unsere Perspektiven zu wechseln, damit wir das Denken hinter unserem Denken betrachten können. Das ist die Voraussetzung dafür, ein mündiges und aktives Mitglied einer Demokratie zu sein.

Wenn jemand heute nur eine einzige Sache aus dem Buch umsetzen würde – welche wäre das, und wie geht man dabei konkret vor?

Dann diese: den Blick bewusst auf Möglichkeiten zu richten.

Vor dem Lesen kreisen viele Gedanken um das, was fehlt: Was habe ich nicht? Was stimmt nicht mit mir? Wer oder was hält mich davon ab? Oder: Was muss ich noch erreichen, damit es endlich gut wird?

Nach dem Lesen beginnt sich der Fokus zu verschieben. Die Fragen verändern sich. Statt nach Mangel wird nach Möglichkeiten gesucht. Statt vorschneller Antworten entstehen neue Fragen. Dankbarkeit wird zu einer täglichen Praxis, und mit ihr wächst der Blick für das, was bereits da ist und was daraus entstehen kann.

Der konkrete erste Schritt ist ganz einfach: eines der 47 Trainings auswählen und im Alltag ausprobieren. Nicht darüber nachdenken, ob es funktioniert, sondern die Erfahrung machen. Denn oft entstehen neue Perspektiven, Antworten und Handlungsmöglichkeiten genau dort, wo wir bereit sind, etwas anders zu betrachten als bisher.

Was unterscheidet deinen Ansatz von anderen Konzepten?

Er setzt auf kleine Erfahrungen statt auf große Versprechen. Nicht die eine lebensverändernde Erkenntnis steht im Mittelpunkt, sondern viele kleine Perspektivwechsel, die sich im Alltag entfalten.

Die Übungen ermutigen dazu, der eigenen Wahrnehmung, der eigenen Kreativität und der eigenen Intuition wieder mehr zu vertrauen.

Für wen ist dieses Buch nicht gedacht?

Für Menschen, die sich wünschen, dass alles so bleibt, wie es ist. Oder noch schlimmer: dass Prozesse, die immer voranschreitend sind, wieder zurückgedreht werden sollten.

Das Buch setzt voraus, dass man Veränderung grundsätzlich für möglich und für wünschenswert hält – und dass man bereit ist, das eigene Denken dabei mitzubetrachten. Wer das nicht möchte, wird mit den Übungen wenig anfangen können.

Was würde eine Skeptikerin an deiner These einwenden – und wie reagierst du darauf?

Manche werden sagen, das sei zu idealistisch. Das verstehe ich.

Mein Buch behauptet aber nicht, dass wir die Welt mit anderen Gedanken verändern. Es lädt dazu ein, unseren Blick auf die Welt zu erweitern. Denn oft entstehen neue Möglichkeiten nicht dadurch, dass sich die Umstände ändern, sondern dadurch, dass wir beginnen, sie anders zu betrachten.

Wissen und Fakten zu Auswahl, Flexibilität und Kreativität

  • 30 gegen 3 Prozent – und trotzdem kein verlässlicher Effekt. An einem Probierstand mit sechs Marmeladensorten kauften rund 30 Prozent der Stehenbleibenden, an einem mit 24 Sorten nur 3 Prozent. Eine spätere Metaanalyse über rund 50 Experimente mit gut 5.000 Teilnehmenden fand allerdings im Mittel praktisch keinen Effekt: Auswahlüberforderung tritt situationsabhängig auf, nicht generell.
    Iyengar, S. S. & Lepper, M. R. (2000): When choice is demotivating. Journal of Personality and Social Psychology 79(6), S. 995–1006. · Scheibehenne, B.; Greifeneder, R. & Todd, P. M. (2010): Can there ever be too many options? Journal of Consumer Research 37(3), S. 409–425.
  • Kreativitätstrainings wirken – wenn sie richtig gebaut sind. Eine Metaanalyse von 70 Studien mit 4.210 Teilnehmenden zeigt, dass gut gemachte Kreativitätstrainings die Leistung messbar verbessern, und zwar über Messgrößen, Settings und Zielgruppen hinweg. Am wirksamsten waren Programme, die kognitive Fähigkeiten und deren Anwendung trainieren und mit realistischen Aufgaben arbeiten.
    Scott, G.; Leritz, L. E. & Mumford, M. D. (2004): The effectiveness of creativity training: A quantitative review. Creativity Research Journal 16(4), S. 361–388. DOI 10.1080/10400410409534549
  • Frühe Perspektivübernahme sagt spätere Flexibilität vorher. In einer Längsschnittstudie mit 108 Kindern hing die Fähigkeit, mit 27 Monaten die Perspektive anderer einzunehmen, mit komplexerer Perspektivübernahme und höherer kognitiver Flexibilität im Alter von 52 Monaten zusammen. Es handelt sich um einen Zusammenhang, nicht um einen Wirkungsnachweis.
    Kloo, D.; Kaltefleiter, L. J. & Sodian, B. (2024): Early perspective taking predicts later cognitive flexibility. Infant and Child Development 33(6), e2537. DOI 10.1002/icd.2537
  • Wer Spannungen annimmt, profitiert von ihnen. Erlebte Widersprüche wirken sich je nach Denkrahmen gegensätzlich aus: Bei Menschen mit ausgeprägtem „Paradox Mindset“ gingen Spannungen mit besserer Arbeitsleistung und mehr Innovationsverhalten einher, bei Menschen ohne diesen Denkrahmen mit schlechterer.
    Miron-Spektor, E.; Ingram, A.; Keller, J.; Smith, W. K. & Lewis, M. W. (2018): Microfoundations of organizational paradox. Academy of Management Journal 61(1), S. 26–45.
  • Flexibilität ist erlernbar – und hat einen Preis. Kognitive Flexibilität lässt sich durch Anreize und Kontextreize konditionieren und folgt damit denselben Lernprinzipien wie anderes Verhalten. Zugleich gilt in der Forschung eine Abwägung zwischen Flexibilität und Stabilität: Wer leichter umschaltet, bleibt schwerer an einer Sache.
    Braem, S. & Egner, T. (2018): Getting a grip on cognitive flexibility. Current Directions in Psychological Science 27(6), S. 470–476. DOI 10.1177/0963721418787475

Häufige Fragen zum Buch

Was bedeutet Sowohl-als-auch-Denken?

Sowohl-als-auch-Denken heißt, zwei scheinbar gegensätzliche Möglichkeiten zunächst gleichzeitig gelten zu lassen, statt sich sofort für eine zu entscheiden. Es ersetzt das Entweder-oder nicht, sondern schiebt es nach hinten: Erst wird geprüft, ob es mehr als die beiden naheliegenden Optionen gibt, dann wird gewählt. In der Organisationsforschung wird die entsprechende Haltung als „paradox mindset“ bezeichnet und beschreibt, wie stark jemand Spannungen annimmt, statt sie schnell aufzulösen. Der Buchtitel „entweder, und“ macht daraus ein Sprachspiel: Das erwartete „oder“ wird durch ein „und“ ersetzt.

Kognitive Flexibilität bezeichnet die Fähigkeit, Denk- und Verhaltensmuster an veränderte Anforderungen anzupassen – etwa zwischen Aufgaben, Regeln oder Blickwinkeln umzuschalten. Sie gilt als eine der zentralen exekutiven Funktionen und als Voraussetzung für Lernen, Problemlösen und kreatives Denken. Neurowissenschaftlich ist sie keine einzelne Leistung, sondern das Zusammenspiel großräumiger Netzwerke, an denen unter anderem frontoparietale und frontostriatale Regionen beteiligt sind. Im Alltag zeigt sie sich darin, wie schnell jemand einen eingeschlagenen Weg verlassen kann, wenn sich die Lage ändert.

Sie ist zumindest keine starre Persönlichkeitseigenschaft. Forschungsarbeiten zeigen, dass sich Flexibilität durch Anreize und Kontextreize beeinflussen lässt und denselben Lernprinzipien folgt wie anderes Verhalten: Wer häufiger in Situationen kommt, in denen sich Umschalten lohnt, schaltet auch leichter um. Wie weit sich Trainingseffekte auf andere Lebensbereiche übertragen, ist dabei Gegenstand laufender Forschung und nicht abschließend geklärt. Bekannt ist außerdem eine Abwägung: Mehr Beweglichkeit geht zulasten der Stabilität, also der Fähigkeit, an einer Sache dranzubleiben. Ziel ist deshalb nicht maximale Flexibilität, sondern die passende Mischung.

Ein Perspektivwechsel bedeutet, eine Situation bewusst von einem anderen Standpunkt aus zu betrachten: von einer anderen Person aus, aus einer anderen Rolle, zu einer anderen Zeit oder in einem anderen Maßstab. Geübt wird er nicht durch Nachdenken über den Begriff, sondern durch konkrete Aufgaben, die einen zwingen, den Blickwinkel tatsächlich zu wechseln. Genau darauf sind die 47 Trainings in „entweder, und“ angelegt. Wichtig ist die Unterscheidung zum Übernehmen einer Position: Eine Perspektive einzunehmen heißt nicht, ihr zuzustimmen.

Nicht automatisch. Bekannt geworden ist die Marmeladenstudie von Iyengar und Lepper (2000): Am Stand mit 24 Sorten blieben mehr Menschen stehen, gekauft haben aber deutlich weniger als am Stand mit sechs Sorten. Die Forschungslage ist seither differenzierter – eine Metaanalyse über rund 50 Experimente fand im Mittel praktisch keinen Effekt. Auswahlüberforderung tritt vor allem dann auf, wenn die Optionen schwer vergleichbar sind, viel auf dem Spiel steht und Erfahrung im Feld fehlt. Die belastbare Aussage lautet: Die Zahl der Optionen sagt für sich genommen wenig darüber aus, wie frei eine Entscheidung ist.

Nach der vorliegenden Forschung nicht im Sinne einer Begabung, die man hat oder nicht hat. Eine Metaanalyse von 70 Studien mit über 4.000 Teilnehmenden zeigt, dass gut gemachte Kreativitätstrainings messbare Verbesserungen bewirken, und zwar über verschiedene Zielgruppen hinweg. Am wirksamsten waren Trainings, die konkrete Denkfähigkeiten üben und mit realistischen Aufgaben arbeiten. Unterschiede zwischen Menschen gibt es trotzdem – aber das Ausgangsniveau ist nicht festgeschrieben.

Nein. Es beschreibt, wie ein Möglichkeitsraum entsteht, nicht ob am Ende entschieden wird. Wer mehrere Perspektiven kennt, kann die eigene Position sogar besser begründen, weil er die Alternativen geprüft hat. Auch die Paradox-Forschung zielt nicht darauf, Spannungen zu vermeiden, sondern sie produktiv zu halten. Das Gegenteil von Haltung ist nicht Offenheit, sondern Gleichgültigkeit.

Gemeint ist eine Arbeitsweise, keine künstlerische Technik: ergebnisoffen vorgehen, Umwege zulassen, mit Material und Wahrnehmung arbeiten statt ausschließlich mit Argumenten, und Fragen wichtiger nehmen als schnelle Antworten. Katalin Pöge grenzt das ausdrücklich von „Kreativmethoden“ ab: Es geht nicht um ein Werkzeug zur Ideenproduktion, sondern um die Fähigkeit, Ebenen und Betrachtungswinkel zu wechseln – etwas, das im künstlerischen Arbeiten selbstverständlich ist und sich übertragen lässt.

Das Buch versammelt 47 Trainings, die einzeln und in beliebiger Reihenfolge ausprobiert werden können. Es vermittelt keine Methode und keine fertigen Antworten, sondern stellt Fragen und öffnet Denk- und Spielräume, in denen Erfahrungen möglich werden. Der empfohlene Einstieg ist denkbar einfach: ein Training auswählen und im Alltag ausprobieren, ohne vorher zu prüfen, ob es funktioniert.

…

Für Menschen, die sich wünschen, dass alles so bleibt, wie es ist. Das Buch setzt voraus, dass man Veränderung für möglich hält und bereit ist, das eigene Denken mit zu betrachten. Auch wer eine klare Methode, ein Modell oder eine Schritt-für-Schritt-Anleitung sucht, wird hier nicht fündig: Die Trainings ersetzen bewusst keine Systematik, sondern erzeugen Erfahrungen. Und sie wirken nur, wenn man sie tatsächlich macht – lesen allein verändert wenig.

Ein Ratgeber gibt Antworten, „entweder, und“ stellt Fragen. Der Anspruch ist ausdrücklich nicht, Menschen zu verändern, sondern ihren Blick auf sich selbst und die Welt zu erweitern. Statt einer großen Erkenntnis stehen viele kleine Perspektivwechsel im Mittelpunkt, die sich im Alltag entfalten. Entsprechend gibt es kein Kapitel, das man verstanden haben muss, bevor das nächste Sinn ergibt.

Leseprobe: Hank erklärt das innere Team

Stimmen zum Buch – übernommen von Amazon

„Entweder, und“ hat mir viele neue und erfrischende Denkanstöße gegeben. Besonders positiv fand ich, dass ich nicht ständig dachte, die Inhalte bereits in ähnlicher Form gehört oder gelesen zu haben. Das Buch eröffnet neue Perspektiven und lädt dazu ein, die eigene Sichtweise zu hinterfragen. Eine absolute Empfehlung für Coaches und für alle Menschen, die neugierig auf neue Perspektiven auf sich selbst und ihr Denken sind.

Was für eine tolle Energie das Buch verbreitet! Es öffnet einen Raum und ist so eine wertvolle Erinnerung an die Freude und die Neugier auf das Leben außerhalb der eigenen Begrenzungen. Wahrnehmen und Gestalten! Die Impulse, neue Blickwinkel einzunehmen, das Leben weiter zu denken, ins Probieren zu gehen, wirken nach, vor allem wegen der spielerischen und vertrauensvollen Haltung, die sich durch das Buch zieht. Es kitzelt etwas wach: das „JA“ zu mir selbst, meinen Wünschen, dem, was sich mir im Leben gerade zeigt. Ein absolutes Plus!

Das Buch besticht durch einen leichtfüßigen und fröhlichen Schreibstil und treffende Zeichnungen. In 47 kurzen, aber inhaltsstarken Kapiteln greift die Autorin die kleinen und größeren Herausforderungen des Alltags auf, stellt die richtigen Fragen, provoziert und gibt Impulse. Das Buch ist ein Mitmach-Buch. Es fordert dich auf, die Antworten oder Gedanken zu den gestellten Fragen schriftlich festzuhalten und dich im Alltag und im Umgang mit anderen Menschen zu beobachten. Nichts ist mit erhobenem Zeigefinger, in „Richtig“- oder „Falsch“- Kategorien oder als Anleitung zur Selbstoptimierung formuliert. Ich bin um viele Selbsterkenntnisse reicher und betrachte die eine oder andere persönliche „Schwäche“ nun eher mit einem Augenzwinkern. Eine klare Empfehlung an alle, die ab und zu das Gefühl haben, sich selbst im Weg zu stehen.

Unsere Wünsche sind oft gar nicht unsere Wünsche. Sie sind die Summe dessen, was wir kennen oder überhaupt für möglich halten.

Über die Autorin Katalin Pöge

Katalin Pöge, geboren 1982, ist Künstlerin, Gestalterin und Autorin. Sie arbeitet selbstständig in Berlin als Trainerin für künstlerisches Denken und Handeln – an der Schnittstelle von Kunst, Denken und Alltag.

Statt Antworten zu liefern, stellt sie Fragen, die irritieren und festgefahrene Muster aufbrechen. So entstehen Spielräume, in denen Menschen neu wählen können, statt nur zu reagieren.

Ausbildung

Ausbildung in Mediengestaltung (2001). Auslandsstudium an der Akademie der bildenden Künste Wien (2009). Diplom in Kommunikationsdesign von der Kunsthochschule Weißensee (2013), Meisterschülerin der Kunsthochschule Berlin-Weißensee (2015).

Weiterbildungen: Zürcher Ressourcen Modell (2021), Coach und Trainerin für New Work & New Learning, IHK (2022), CQM I (2025).

Erfahrung

Seit 2005 selbstständig als Designerin und Illustratorin, seit 2002 regelmäßig an Ausstellungen beteiligt. Seit 2010 leitet sie Workshops bei Veranstaltungen rund um Kunst, Bildung und Gesellschaftsentwicklung; von 2013 bis 2018 hatte sie die künstlerische Leitung im Machmit! Museum für Kinder in Berlin inne.

Seit über 20 Jahren begleitet sie Menschen und Organisationen dabei, neue Perspektiven zu entwickeln und eigene Ideen umzusetzen. Sie arbeitet mit Einzelnen, Gruppen und Organisationen und bietet Gespräche und Workshops an, um Ideen zu klären und Zusammenhänge sichtbar zu machen, bevor Entscheidungen getroffen werden.

Dabei verbindet sie ihre künstlerische Expertise mit psychologischen und lebenspraktischen Perspektiven – und mit einer großen Portion spielerischer Leichtigkeit.

Als Dozentin unterrichtet sie unter anderem an der Bundesakademie für Kulturelle Bildung, mit Schwerpunkt Demokratieförderung. Ehrenamtlich ist sie Mentorin bei Mentor Me.

Auszeichnungen

Pfann-Ohmann-Preis der Akademie der bildenden Künste Wien im Bereich Bildende Kunst (2009). Nominierung für den Deutschen Demografie Preis (2021).

Persönliche Verbindung zum Thema

Der Anstoß zum Buch kam aus der eigenen Lehrpraxis. In Seminaren zur Demokratieförderung fragten Teilnehmende immer wieder nach, ob sie eine bestimmte Betrachtungsweise noch einmal wiederholen könne – und Katalin Pöge wurde klar, dass der spielerische Wechsel von Ebenen und Blickwinkeln, der ihr als Künstlerin selbstverständlich ist, für viele Menschen keineswegs selbstverständlich ist.

Ihr Ziel ist es, eine lebendige und zukunftsfähige Gesellschaft mitzugestalten: Als Künstlerin setzt sie Technik und Design dafür ein, menschliche Werte sichtbar zu machen, und lädt Menschen dazu ein, ihre Ideen ernst zu nehmen.

Weitere Tätigkeiten und Links

  • Autorin von Fachartikeln zur kulturellen Bildung
  • Dozentin bei der Bundesakademie für Kulturelle Bildung (seit Mai 2024) und weiteren Trägern
  • Ehrenamtliche Mentorin bei Mentor Me
  • buntjabunt.de – Website
  • Instagram: katalin_poege
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