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Das Buch ist der Anfang.

„Mutwärts. Coras Weg“ ist ein Roman, der eine Coaching-Methodik erzählbar macht: Die Ich-Erzählerin Cora durchläuft den U-Prozess der Theorie U – allerdings nicht als Führungskraft in einer Organisation, sondern als einzelner Mensch auf einer Wanderung bis ans Meer. Begleitet wird sie von einem inneren Team aus zwölf Wesen, die für Impulse wie Neugier, Empathie und Mut stehen. Das Buch verbindet die durchgehend erzählte Geschichte mit Methoden, die am Wegesrand auftauchen und zum Ausprobieren gedacht sind: Theorie U, das innere Team, Kreise der Einflussnahme, Ikigai und Techniken aus dem NLP.

Autorin Cornelia Andriof
Verlagsimprint Bubble Your Hub
Erscheinungstermin 25. Juni 2026
Auflage 1. Auflage
Umfang 374 Seiten
Format {{BINDUNG}}, 12,8 × 2,2 × 18,6 cm
Sprache Deutsch
ISBN-13 978-3-88777-110-2
ISBN-10 3887771109
Preis 18,90 €

Was du in diesem Buch erfährst

… wie sich die drei Bewegungen der Theorie U – Denken, Fühlen und Willen öffnen, Presencing, Umsetzung – auf eine einzelne Person übertragen lassen und an welcher Stelle sie eine Gruppe brauchen.

…warum eine Veränderung selten im ersten Anlauf gelingt: Cora durchläuft den U-Prozess zweimal, weil sie beim ersten Mal am eigentlichen Problem vorbeiarbeitet.

… wie du inneren Impulsen Namen, Stimmen und Gestalt gibst – und warum das psychologisch wirksamer ist, als in der Ich-Perspektive über sich nachzudenken.

… warum jedes Mitglied von Coras innerem Team eine starke und eine anstrengende Seite hat: Die Figur „Kim“ steht für das Glück im Einfachen und für Reizüberflutung, die „alte Tante Migräne“ für erzwungene Pausen.

… was die Kreise der Einflussnahme nach Stephen R. Covey sortieren – und welche Frage hilft, wenn dich etwas belastet, das außerhalb deines Einflusses liegt.

… dass hinter dem bekannten Ikigai-Diagramm mit den vier Kreisen eine westliche Lesart steckt, und wie sich das östliche Verständnis davon unterscheidet.

… welche NLP-Formate im Buch vorkommen – Phobie-Technik, Ankern, Skalierungsfragen – und wie die Autorin mit der wissenschaftlichen Kritik an NLP umgeht, statt sie auszulassen.

… was körperliche Bewegung mit einem Reflexionsprozess macht: Cora geht rund zwei Wochen zu Fuß, und jeder Tag gehört einem anderen inneren Teammitglied.

Theorie U und Selbstfindung: wie eine Geschichte Coaching-Methoden vermittelt

Was ist die Theorie U?

Die Theorie U ist ein Veränderungsmodell des Ökonomen Otto Scharmer, Senior Lecturer am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und Mitbegründer des dort angesiedelten Presencing Institute. Sie beschreibt Veränderung als U-förmige Bewegung: von der Oberfläche gewohnter Muster hinunter in eine veränderte Wahrnehmung und von dort zurück in neues Handeln. Scharmers Ausgangsbeobachtung ist, dass Veränderungsvorhaben selten an der Analyse scheitern, sondern an der inneren Haltung, aus der heraus gehandelt wird; das automatische Wiederholen vergangener Muster nennt er „Downloading“. Vorgestellt hat er das Modell 2007 in Theory U: Leading from the Future as It Emerges (überarbeitete Auflage 2016).

Der U-Prozess umfasst drei Bewegungen:

  1. Abwärtsbewegung: das Öffnen von Denken, Fühlen und Willen – Beobachten, Hinspüren, Loslassen.
  2. Presencing am Tiefpunkt des U.
  3. Aufwärtsbewegung: Verdichten einer Intention, Prototypen bauen, in die Umsetzung gehen.

Presencing ist eine Wortschöpfung aus den englischen Begriffen presence (Gegenwart) und sensing (spüren) und bezeichnet den Moment, in dem eine Person aus der im Entstehen begriffenen Zukunft heraus wahrnimmt, statt aus der Vergangenheit.

Cornelia Andriof beschreibt Presencing als Verbindung in drei Dimensionen: die Verbindung mit sich selbst, in der zusammenkommt, was zuvor verstanden und gefühlt wurde; die Verbindung zwischen Ich und Wir, die Scharmer als Weg vom „Ego-System“ zum „Eco-System“ beschreibt; und die Verbindung zwischen Gegenwart und Zukunft.

Woran sich dieser Moment erkennen lässt, ist individuell unterschiedlich.

Entwickelt wurde die Theorie U für Organisationen und große Veränderungsprozesse; verbreitet ist sie vor allem über den freien Onlinekurs u.lab, den Scharmer 2015 mitbegründet hat und an dem nach Angaben des Presencing Institute mehr als 160.000 Menschen aus 185 Ländern teilgenommen haben. Andriofs These lautet, dass das Modell frei skalierbar ist: Es lässt sich auf ein Lebensthema ebenso anwenden wie auf eine kleine persönliche Veränderung. Was sich gut überträgt, ist die Reihenfolge – die Aufforderung, vor der Lösung erst in die Tiefe zu gehen. Was allein nicht funktioniert, sind gruppengebundene Formate: Eine Case Clinic, in der mehrere Menschen einen Fall bearbeiten, braucht die Perspektivenvielfalt der Gruppe. Im Roman löst Andriof dieses Problem, indem Cora ihr inneres Team einlädt.

Zur Einordnung: Die Theorie U ist ein aus der Praxis heraus entwickeltes Handlungsmodell. Grundlage sind Aktionsforschung und über 150 Interviews mit Menschen aus Innovation, Wirtschaft und Wissenschaft, unter ihnen der Ökonom W. Brian Arthur, der Kognitionswissenschaftler Francisco Varela und der Organisationstheoretiker Peter Senge. Kontrollierte Wirksamkeitsstudien im Sinne der klinischen Forschung liegen für den U-Prozess als Ganzes bislang nicht vor; belegt sind vor allem Fallstudien und die große Verbreitung in Praxis und Lehre. Wer mit dem Modell arbeitet, arbeitet also mit einem Erfahrungsmodell, nicht mit einem geprüften Verfahren.

Dass Erzählungen besser erinnert werden als Aufzählungen, ist gut belegt. In einem klassischen Experiment von Gordon H. Bower und Michal C. Clark aus dem Jahr 1969 lernten Versuchspersonen zwölf Listen mit je zehn zusammenhanglosen Substantiven. Eine Gruppe lernte auf gewohnte Weise, die andere verwob die Wörter in eine Geschichte. Unmittelbar danach erinnerten sich beide Gruppen fast vollständig. Im späteren Abruf über alle Listen hinweg lag die Erzählgruppe bei 93 Prozent, die Kontrollgruppe bei 13 Prozent. Eine mögliche Erklärung liefert die Bildgebung. Das Team um Nicole K. Speer zeigte 2009 im fMRT, dass beim Lesen einer Erzählung nicht nur Sprachareale aktiv sind: Bewegt sich eine Figur im Raum, werden Areale aktiv, die auch bei eigener Bewegung arbeiten; greift sie nach einem Gegenstand, reagieren motorische Areale. Lesende bauen offenbar eine mentale Simulation der erzählten Situation auf und aktualisieren sie, sobald sich etwas ändert. Eine Methode, die in eine Szene eingebettet ist, wird damit nicht nur gelesen, sondern in Ansätzen mitvollzogen.

Das erzählerische Mittel des Buchs – innere Impulse als Figuren mit Namen und Stimme – hat eine Entsprechung in der Emotionsforschung. Unter dem Begriff Self-Distancing ist untersucht, was passiert, wenn Menschen beim Nachdenken über sich selbst von der Ich-Perspektive in die dritte Person wechseln, also den eigenen Namen verwenden.

Eine Studie des Teams um Jason S. Moser aus dem Jahr 2017 kombinierte EEG- und fMRT-Messungen: Der Perspektivwechsel senkte Marker selbstbezogener emotionaler Reaktivität, ohne mehr kognitive Kontrolle zu beanspruchen. Er wirkt also entlastend, ohne anstrengend zu sein.

Coras inneres Team ist keine Umsetzung dieser Forschung, aber es nutzt denselben Mechanismus: Wer der eigenen Angst einen Namen gibt, betrachtet sie von außen.

„Inneres Team“ ist die Methode von Friedemann Schulz von Thun

Der Begriff stammt aus dem Modell des Hamburger Kommunikationspsychologen Friedemann Schulz von Thun, der 1998 in Miteinander reden 3 die innere Pluralität des Menschen mit dem Bild eines Teams und seiner Leitung beschrieb; der Fokus liegt dort auf stimmiger Kommunikation.

„Mutwärts“ übernimmt die Bezeichnung, nicht die Methode – und grenzt sich im Anhang ausdrücklich ab. Der zentrale Unterschied: Bei Schulz von Thun werden Anteile getrennt und miteinander in Dialog gebracht; bei Andriof ist jedes Teammitglied selbst schon widersprüchlich.

Zum Original: Schulz von Thun Institut.

„Geschichten werden 22-mal besser erinnert als Fakten“

Diese Zahl kursiert seit Jahren und wird meist der Stanford-Professorin Jennifer Aaker zugeschrieben. Eine veröffentlichte Studie, aus der sie stammt, ist nicht auffindbar; belegt ist der Effekt, nicht die Größenordnung.

Wer eine Zahl braucht, sollte auf Bower und Clark (1969) verweisen – dort liegt der Unterschied bei einem Faktor von etwa sechs bis sieben. Für die Praxis ändert das wenig, für die Zitierfähigkeit viel.

„Das Ikigai-Diagramm mit den vier Kreisen kommt aus Japan“

Das bekannte Venn-Diagramm – was du liebst, was du kannst, was die Welt braucht, wofür du bezahlt wirst – ist eine westliche Konstruktion. Es geht auf eine Grafik des spanischen Autors Andrés Zuzunaga zurück, die um 2011 unter dem Titel „Propósito“ (Zweck) entstand.

Der britische Blogger Marc Winn ersetzte 2014 das Wort „Zweck“ durch „Ikigai“ und veröffentlichte das Ergebnis; Winn selbst beschreibt es als Zusammenführung zweier Konzepte.

Im japanischen Verständnis braucht Ikigai keine Erwerbsdimension: Es kann in einem Morgenritual, einer Beziehung oder einer Tätigkeit liegen. „Mutwärts“ stellt beide Lesarten nebeneinander.

„Die Theorie U ist etwas für Organisationen“

Die Herkunft ist organisational, der Anwendungsbereich nicht zwingend. Andriof argumentiert umgekehrt: Wenn Strukturen umgebaut werden, aber niemand sein Verhalten ändert, verpufft die Veränderung – auch im Unternehmen entscheidet der Einzelne.

Aus dem Modell folgt eine Reihenfolge, die dem üblichen Vorgehen widerspricht. Wer eine Veränderung will, beginnt meist mit dem Vorsatz. Der U-Prozess beginnt mit dem Verstehen – und zwar nicht nur kognitiv, sondern über Denken, Fühlen und Willen. Das erklärt, warum Neujahrsvorsätze so oft scheitern: Sie setzen an der Aufwärtsbewegung an, ohne die Abwärtsbewegung gegangen zu sein.

Ein zweiter praktischer Punkt ist die Bewegung. Marily Oppezzo und Daniel L. Schwartz wiesen 2014 in vier Experimenten nach, dass Gehen die Ideenproduktion steigert: Die kreative Ausgabe lag beim Gehen im Schnitt rund 60 Prozent höher als im Sitzen, und der Effekt hielt kurz danach an. Er zeigte sich auf dem Laufband vor einer leeren Wand ebenso wie im Freien – es ist also das Gehen, nicht die Aussicht. Für konvergente Aufgaben, die eine einzige richtige Lösung haben, gilt das nicht. Coras Wanderung ist damit weniger Kulisse als Methode.

Und eine Grenze gehört dazu: Selbstcoaching ersetzt keine Behandlung. Andriof zieht die Linie beim Krankheitswert – wer krank ist, an Körper oder Seele, braucht ärztliche oder therapeutische Hilfe; Coaching liegt dazwischen. Ihr Kriterium für jede Form von Unterstützung: Sie sollte die eigenen Kräfte mobilisieren, statt das Problem dauerhaft abzunehmen.

„Ich wollte die drei Impulse greifbar machen" – Cornelia Andriof im Interview

Das Interview wurde schriftlich geführt. Redaktion: Bubble Your Hub, Juni 2026.

Warum lernen Menschen eine Methode besser über eine Geschichte als über ein Ratgeberkapitel – und wo hat das Erzählen Nachteile?

Wenn es gelingt, Fakten über eine Erzählung zu vermitteln, bleiben sie besser im Gedächtnis, weil Denken und Fühlen gleichzeitig angesprochen werden. Unser Bildgedächtnis ist außerdem viel größer als das für Worte – und Geschichten sind bewegte Bilder. Spannend finde ich, dass beim Lesen nicht nur das Sprachzentrum arbeitet, sondern auch sensorische und motorische Areale: Wir erleben eine Szene, als wären wir mittendrin.

Aber ganz ehrlich, wir brauchen die Hirnforschung nicht zwingend, um das zu wissen. Geschichten packen uns anders als spröde Fakten. Richtige Nachteile sehe ich nicht, aber es braucht Offenheit. Nicht jede Geschichte passt zu jedem Menschen: Wenn mir der Kontext fremd ist oder ich die Hauptfigur nicht mag, kann ich an diesem Ort nichts lernen.

Und es gibt Situationen, in denen ich fachlich tief eintauchen will. Dann hat mir vielleicht eine Geschichte eine Methode nahegebracht und neugierig gemacht – bevor ich damit arbeite, lese ich aber in einem Sachbuch mehr darüber. So ergänzt sich beides.

Die Theorie U wurde für Organisationen entwickelt. In „Mutwärts“ durchläuft ein einzelner Mensch das U. Was überträgt sich gut auf die individuelle Ebene – und was funktioniert dort nicht?

Ich habe die Theorie U immer als frei skalierbar verstanden. Ich kann mit ihr eine kleine, persönliche Veränderung angehen oder ein Lebensthema, und ich kann sie als Facilitator für Organisationen nutzen. Das U bietet uns eine Form, eine Dramaturgie. Sie erinnert uns daran, erst wirklich in die Tiefe zu gehen: das Denken, das Fühlen und den Willen zu öffnen.

Dann führen wir das im Presencing zusammen und erleben die im Entstehen begriffene Zukunft, bevor wir Ideen sammeln, Prototypen bauen und in die Umsetzung gehen. So kann Veränderung gelingen – ganz anders als etwa bei Neujahrsvorsätzen.

Übrigens ist für mich auch in der Arbeit mit Organisationen der Einzelne wichtig. Wir können alles Mögliche umbauen und neu vereinbaren: Wenn der Einzelne es nicht tut, verpufft das.

Der Unterschied zwischen Theorie U im Selbstcoaching und der Arbeit mit Organisationen liegt vor allem in den Methoden. Eine Case Clinic braucht die Kreativität und Schwarmintelligenz der Gruppe. Das funktioniert allein nicht – es sei denn, so ist es im Buch, du kannst dein ganzes verrücktes inneres Team dazu einladen.

Presencing gilt als schwierigster Begriff der Theorie U. Wie erklärst du jemandem, der das Modell nicht kennt, was in diesem Moment passiert?

Presencing, der Wendepunkt des U, ist eine Wortschöpfung aus dem englischen sensing – spüren – und presence – Gegenwart. Presencing beendet den „Disconnect“, der in der Theorie U als Ursache für Fehlentwicklungen benannt wird, und zwar durch Verbindung in mindestens drei Dimensionen.

Erstens die Verbindung mit mir selbst: Presencing ist ein U-Prozess im U-Prozess, ich integriere, was ich zuvor verstanden, gefühlt und begriffen habe.

Zweitens Ich und Wir – Otto Scharmer spricht davon, das Ego-System in ein Eco-System zu überführen: Wie kann ich die eigenen Wünsche und die eigene Veränderung an die Welt um mich herum andocken?

Drittens Gegenwart und Zukunft, vielleicht das Schwierigste: ganz und gar in der Gegenwart zu sein und in diesem Moment die im Entstehen begriffene Zukunft zu erspüren – sie so stark zu machen, dass sie zum Nordstern der Entwicklung wird.

Woran man merkt, dass man sich verbindet, ist vermutlich sehr individuell. Meine Erfahrung zeigt: Verbindung geschieht in Momenten der Stille, der Fokussierung. Schreiben hilft. Und Zulassen.

Im Buch gibt es zwei Presencing-Momente. Warum braucht Cora zwei – und was hat sich zwischen beiden verändert?

Die ehrliche Antwort ist: Das hat sich beim Schreiben so entwickelt. Ich halte es aber für sehr realistisch, dass wir eine Veränderung nicht gleich im ersten Anlauf hinbekommen.

Cora hat zunächst bei dem, was sie „ihr Problem“ nennt, nur an der Oberfläche gekratzt. Sie geht durch den U-Prozess, öffnet Denken, Fühlen und Willen, sie erfährt in der großen Zusammenkunft, was ihr inneres Team dazu sagt und vorschlägt.

Und doch braucht es noch Reflexionen, heftige Emotionen, eine echte Krise, bevor sie versteht, fühlt und begreift, worum es wirklich geht. Erst dann ist sie bereit für den Presencing-Moment, der sie tatsächlich in die Aufwärtsbewegung des U führt.

In diesem zweiten Moment sieht sie das Wort „Mutwärts“ und erklärt es so: „Mutwärts gibt mir Richtung und Bewegung. Und Energie.“

Die Botschaft des Buchs lautet: Cora sucht Hilfe im Außen und findet sie in sich selbst. Wann reicht Selbstführung nicht mehr, wann braucht es professionelle Begleitung?

Tatsächlich hat Cora ja Begleitung. Hank ermöglicht es ihr, sich selbst zu helfen. Für mich ist das kein Widerspruch: Wir sind soziale Wesen, Austausch und Nähe tun uns gut. Wenn ich mit einem Problem allein nicht klarkomme, ist es wichtig, Hilfe zu suchen.

Im Einsatz als Kriseninterventionshelferin höre ich oft: „Ich möchte niemanden mit meinem Problem belasten.“ Dabei wird übersehen, dass es für Helfende sinnstiftend und erfüllend sein kann, für den anderen da zu sein. Vielen fällt es schwer zu sagen: „Bitte, hilf mir.“ Und doch zeigt die Erfahrung, dass Menschen gerne helfen. Insofern: nur Mut.

Bei professioneller Hilfe hängt es sehr stark vom Problem ab, beziehungsweise von meiner Wahrnehmung des Problems. Für normale Lebensdramen sollten Familie und Freunde die richtigen Ansprechpartner sein. Wenn ich krank bin, ob an Körper oder Seele, brauche ich eine Ärztin oder einen Therapeuten.

Die Unterscheidung ist nicht trennscharf, Coaching liegt irgendwo in der Mitte. Wichtig ist mir: Wer mir hilft, sollte mir mein Problem nicht dauerhaft abnehmen, sondern auch meine eigenen Kräfte mobilisieren.

Du nutzt den Begriff „inneres Team“, grenzt dich im Anhang aber ausdrücklich von der Methode Friedemann Schulz von Thuns ab. Warum trotzdem dieser Begriff?

Ich habe für diese Geschichte die gleiche Bezeichnung, nicht aber die Methode des Inneren Teams genutzt. Ich komme aus einer ganz anderen Richtung: Ich wollte die drei Impulse greifbar und konkret machen, die für eine wirksame Veränderung nach der Theorie U nötig sind.

So wurde Neugier zum „kleinen Jungen“, Empathie zu „Maria“, Mut zu „Olivia“. Da sie zusammenwirken sollen, habe ich sie zu einem Team gemacht; da sie nicht als Menschen, sondern als Anteile von Cora mitwirken, zu einem inneren Team.

Ich finde die Methoden von Friedemann Schulz von Thun großartig, bei ihm liegt der Fokus auf Kommunikation. Der Hauptunterschied: Dort werden die verschiedenen Anteile voneinander getrennt und können sich auseinandersetzen.

In „Mutwärts“ ist jedes Teammitglied selbst komplex. Kim zum Beispiel steht dafür, das Glück im Einfachen zu finden, hat aber als Nebenwirkung, dass Cora schnell an Reizüberflutung leidet. Oder die alte Tante Migräne: Kein Mensch mag Migräne, und doch sind ihre Zwangspausen wichtig für Cora.

Jedes Teammitglied hat positive und negative Anteile. Coras inneres Team ist eine wilde, kreative, bunte Truppe – eher eine Clique als ein Gremium. Nur halt innerlich. So entsteht eine ganz andere innere Bühne.

Bei Ikigai stellst du die westliche Deutung mit den vier Kreisen und das östliche Verständnis nebeneinander. Warum lässt du beide zu Wort kommen?

Ich habe mich – persönlich und als Coach – bisher vor allem mit der westlichen Sichtweise beschäftigt und immer wieder erlebt, wie hilfreich die Dimensionen und Fragen des Ikigai sind. Auch das Bild dieser vier sich überlappenden Kreise; das erinnert ein wenig an Mengenlehre, oder?

Erst bei den Recherchen zum Buch habe ich das andere, das östliche Verständnis gefunden. Der Fokus auf den Moment – das hat bei mir sofort gefunkt. Das passt zu „Mutwärts“, zur Achtsamkeit des Buches, zur Konzentration auf das Hier und Jetzt und den nächsten Schritt.

Ich habe daher beide Sichtweisen ins Buch gelassen. Sie widersprechen sich ja nicht, sie ergänzen sich eher. Vielleicht ist es ein kurzer Blick auf eine Baustelle von mir, denn ich bin noch gar nicht fertig damit, Ikigai für mich zu erforschen.

NLP ist wissenschaftlich umstritten – du schreibst das im Anhang offen. Was antwortest du jemandem, der sagt: Die Wirksamkeit ist nicht belegt, also gehört es nicht in ein Buch über Selbstführung?

Wenn ich drei Erfahrungen aus meinen 57 Jahren noch einmal machen dürfte, wäre mein NLP-Practitioner eine davon. Für mich war das lebensverändernd, und für mich – wie bis heute für viele meiner Coachees – ist es wirksam.

Ich denke auch gar nicht, dass vor allem die Wirksamkeit von NLP umstritten ist. Viel häufiger geht es um den Vorwurf des Missbrauchs, der Manipulation durch Sprache. Darauf gehe ich im Anhang ein: Ich habe NLP in einem immer respektvollen, wertschätzenden und achtsamen Kontext kennengelernt und würde es auch nie anders einsetzen. Ein klarer ethischer Wertekompass ist meine Basis.

NLP bietet Methoden – sie heißen Formate –, mit denen ich mich selbst besser verstehen, neue Lösungsansätze finden und Ballast loswerden kann. Als Coach kann ich anderen Menschen damit helfen. NLP gehört zu meinem Ansatz von Selbstführung dazu. Ich halte nichts davon, das zu verstecken, nur weil es kontrovers ist.

Cora geht zu Fuß bis ans Meer. Was macht körperliche Bewegung mit einem Veränderungsprozess – und hättest du dieselbe Geschichte auch am Schreibtisch erzählen können?

Bewegung und Veränderung gehören für mich zusammen. Übrigens entwickeln sich auch meine Geschichten unterwegs; es stecken viele Wanderkilometer in jedem Kapitel. Da ich danach, beim Aufschreiben, auch mal ein Glas Rioja trinke, nenne ich meine Schreibroutine „Walk & Wine“.

Vielleicht muss man es ausprobieren, um es wirklich zu verstehen. Ich versuche es trotzdem in Aspekten zu fassen, wobei das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile.

Körperlich: Durch die Bewegung versorgst du dich mit mehr Sauerstoff, bekommst beglückendes Dopamin hinzu und senkst das Stresshormon Cortisol.

Sensorisch: Wandern ist ein Feuerwerk für die Sinne, selbst wenn nicht alles, was du siehst, hörst, riechst und ertastest, uneingeschränkt angenehm ist.

Mental: Schritte und Atmung im Rhythmus – wie jede Form der Meditation bewirkt das etwas im Kopf, es fällt leichter, neu und freier zu denken.

Und als Proof of Concept: Eine Langstreckenwanderung ist eine Herausforderung. Du erlebst, wie du Tag für Tag kraftvoller wirst, körperlich und mental. Du erlebst deine Veränderung ganz konkret.

Welche Übung aus dem Buch empfiehlst du jemandem, der heute damit anfangen will?

Hier drei zur Auswahl.

Wenn du gestresst bist, ständig gefordert, vor allem im Kopf: Schau in den Himmel, gib den Wolken Form und Namen. Einfach aus dem Bürofenster schauen – schöner ist es natürlich heuschnupfenfrei auf einer blühenden Sommerwiese.

Alternativ kannst du auf dem Spielplatz in deiner Nachbarschaft heimlich schaukeln oder rutschen. Macht keinen Sinn? Stimmt. Das ist die Botschaft des „kleinen Jungen“, der die zweckfreie Neugier in dir wach hält.

Wenn du dich emotional nicht gut fühlst: Maria ist in Coras Team die Empathin, und sie nutzt Gebärdensprache. Nicht nur, weil ich das schön finde, sondern weil es hilft, Gefühlen Ausdruck zu geben. Also: Gebärde dein Gefühl, dann zeichne es, beschreibe es mit Worten, töpfere es in Ton. Die aktive, sinnliche Auseinandersetzung und die Übersetzung in eine andere Sprache helfen.

Und dann fehlt noch eine Mut-Übung. Im Auftrag von Olivia frage ich dich: Wann hast du zum letzten Mal etwas zum ersten Mal gemacht? Du musst überlegen? So lange? Na, dann mal fix raus aus dem Komfort-Kämmerchen. Du hast bestimmt eine Idee für das, was Olivia ein „Mikroabenteuer“ nennt.

Wissen und Fakten zu Erzählen, Selbstreflexion und Bewegung

  • 93 gegen 13 Prozent. Versuchspersonen, die zwölf Listen mit je zehn zusammenhanglosen Substantiven zu Geschichten verwoben, erinnerten im späteren Abruf im Median 93 Prozent der Wörter. Die Kontrollgruppe, die mit gleicher Lernzeit auf gewohnte Weise arbeitete, kam auf 13 Prozent.
    Bower, G. H. & Clark, M. C. (1969): Narrative stories as mediators for serial learning. Psychonomic Science 14, S. 181–182. DOI 10.3758/BF03332778
  • Lesen aktiviert Bewegungsareale. Eine fMRT-Studie mit 28 Teilnehmenden zeigte, dass beim Lesen einer Erzählung Hirnregionen mitarbeiten, die auch beim eigenen Handeln aktiv sind: Wechselt eine Figur den Ort, reagieren räumliche Areale, greift sie nach einem Gegenstand, prämotorische. Lesende bauen offenbar eine mentale Simulation der Szene auf.
    Speer, N. K.; Reynolds, J. R.; Swallow, K. M. & Zacks, J. M. (2009): Reading stories activates neural representations of visual and motor experiences. Psychological Science 20(8), S. 989–999. PMID 19572969
  • Der eigene Name senkt die emotionale Reaktivität. Wer beim Nachdenken über belastende Erinnerungen den eigenen Namen statt „ich“ verwendet, zeigt in EEG und fMRT geringere Marker selbstbezogener emotionaler Reaktivität – ohne dass dabei mehr kognitive Kontrolle beansprucht wird. Der Perspektivwechsel wirkt entlastend, ohne anstrengend zu sein.
    Moser, J. S. et al. (2017): Third-person self-talk facilitates emotion regulation without engaging cognitive control. Scientific Reports 7, 4519. DOI 10.1038/s41598-017-04047-3
  • Rund 60 Prozent mehr Ideen beim Gehen. In vier Experimenten mit insgesamt 176 Teilnehmenden steigerte Gehen die kreative Ideenproduktion im Schnitt um etwa 60 Prozent gegenüber dem Sitzen; der Effekt hielt kurz nach dem Gehen an und trat auf dem Laufband vor einer leeren Wand genauso auf wie im Freien. Für Aufgaben mit einer einzigen richtigen Lösung zeigte sich der Effekt nicht.
    Oppezzo, M. & Schwartz, D. L. (2014): Give your ideas some legs. Journal of Experimental Psychology: Learning, Memory, and Cognition 40(4), S. 1142–1152. PMID 24749966
  • Ikigai und Sterblichkeit. In der japanischen Ohsaki-Kohortenstudie mit 43.391 Erwachsenen wurde über sieben Jahre ein Zusammenhang zwischen fehlendem Ikigai-Empfinden und erhöhter Gesamtsterblichkeit beobachtet (adjustierte Hazard Ratio 1,5; 95-%-Konfidenzintervall 1,3–1,7). Der Zusammenhang ist beobachtend, nicht kausal.

Sone, T. et al. (2008): Sense of life worth living (ikigai) and mortality in Japan: Ohsaki Study. Psychosomatic Medicine 70(6), S. 709–715. PMID 18596247

Häufige Fragen

Was ist die Theorie U einfach erklärt?

Die Theorie U ist ein Veränderungsmodell von Otto Scharmer (MIT, Presencing Institute). Sie beschreibt Veränderung als U-förmige Bewegung: erst nach unten in die Tiefe, dann wieder nach oben in neues Handeln.

Die Abwärtsbewegung besteht darin, Denken, Fühlen und Willen zu öffnen – also nicht nur zu analysieren, sondern auch hinzuspüren und Gewohntes loszulassen. Am Tiefpunkt liegt das Presencing. Danach folgt die Aufwärtsbewegung: eine Intention verdichten, Prototypen bauen, umsetzen.

Der Kern des Modells ist die Reihenfolge – Verstehen vor Lösung.

Presencing ist ein Kunstwort aus presence (Gegenwart) und sensing (spüren) und bezeichnet den Wendepunkt des U. Gemeint ist ein Moment, in dem eine Person nicht mehr aus den Mustern der Vergangenheit heraus wahrnimmt, sondern aus der Zukunft, die im Entstehen begriffen ist.

Cornelia Andriof beschreibt das als Verbindung in drei Dimensionen: mit sich selbst, zwischen Ich und Wir sowie zwischen Gegenwart und Zukunft.

Nach ihrer Erfahrung entsteht dieser Moment in Stille und Fokussierung, häufig unterstützt durch Schreiben. Ein festes Erkennungsmerkmal gibt es nicht; das ist individuell verschieden.

Ja, mit einer Einschränkung. Die Dramaturgie des U lässt sich auf persönliche Themen übertragen, und Andriofs These ist, dass das Modell frei skalierbar ist – von der kleinen Veränderung bis zum Lebensthema.

Nicht übertragbar sind Formate, die auf eine Gruppe angelegt sind. Eine Case Clinic etwa lebt von der Perspektivenvielfalt mehrerer Menschen.

„Mutwärts“ umgeht das erzählerisch, indem Cora ihr inneres Team zur Beratung einlädt – im echten Leben ersetzt das keine Gruppe, kann aber ein Zugang sein.

Nein. Der Begriff stammt von Friedemann Schulz von Thun, der ihn 1998 in „Miteinander reden 3“ geprägt hat; dort geht es um innere Pluralität mit Blick auf stimmige Kommunikation.

„Mutwärts“ verwendet die Bezeichnung, nicht die Methode, und grenzt sich im Anhang ausdrücklich davon ab.

Der wichtigste Unterschied: Bei Schulz von Thun werden Anteile getrennt und in einen inneren Dialog gebracht. Bei Andriof ist jedes Teammitglied in sich widersprüchlich – es hat jeweils eine kraftvolle Seite und, wie sie es nennt, Risiken und Nebenwirkungen.

Das Modell geht auf Stephen R. Covey und „Die 7 Wege zur Effektivität“ zurück. Man kann es sich als Zielscheibe vorstellen: In der Mitte liegt, was wir vollständig beeinflussen können, nach außen hin nimmt der Einfluss ab – bis zu Dingen wie dem Wetter oder Kriegen.

Coveys Gedanke: Je stärker wir zulassen, dass die äußeren Kreise unser Leben bestimmen, desto unzufriedener werden wir.

Die praktische Frage lautet daher nicht „Was ärgert mich?“, sondern „Wo kann ich wirksam sein?“ – und ob es einen Weg gibt, ein wichtiges Thema aus einem äußeren Kreis nach innen zu holen, indem man aktiv wird.

Im Buch bringt die Figur Stuart dieses Modell ins Gespräch.

Ikigai ist ein japanischer Begriff, der sich mit „das, was das Leben lebenswert macht“ umschreiben lässt – ein Grund, morgens aufzustehen.

Das populäre Venn-Diagramm mit vier Kreisen – was du liebst, was du kannst, was die Welt braucht und wofür du bezahlt wirst – ist allerdings keine japanische Darstellung. Es geht auf eine Grafik des spanischen Autors Andrés Zuzunaga von etwa 2011 zurück, die der britische Blogger Marc Winn 2014 mit dem Wort „Ikigai“ versah.

Im japanischen Verständnis braucht Ikigai keine Erwerbsdimension und keine Deckungsgleichheit aller vier Bereiche; es kann in einem Morgenritual oder einer Beziehung liegen.

Als Reflexionswerkzeug bleibt das Diagramm nützlich – als Definition von Ikigai ist es unzutreffend. „Mutwärts“ stellt beide Lesarten nebeneinander.

Nein, nicht im Sinne belastbarer Wirksamkeitsnachweise. Ein systematisatischer Review im British Journal of General Practice (2012, Erstautorin Jackie Sturt) fand keine ausreichende Evidenz für einen Nutzen von NLP bei gesundheitsbezogenen Endpunkten; eine Übersichtsarbeit von Tomasz Witkowski (2010) kritisiert die Studienlage und den Wissenschaftsanspruch des Ansatzes grundlegend.

In der psychologischen Fachliteratur wird NLP verbreitet als nicht evidenzbasiert eingeordnet.

Cornelia Andriof macht daraus im Buch kein Geheimnis: Sie benennt die Kritik, schildert die eigene Erfahrung und beschreibt ihren ethischen Rahmen.

Wer „Mutwärts“ liest, findet NLP-Formate dort als Selbsterfahrungsangebot, nicht als therapeutisches Verfahren.

Nein. Das Buch eignet sich ausdrücklich als Einstieg in Theorie U, Coaching und Selbstcoaching; Vorkenntnisse sind nicht nötig.

Wer sich vorab orientieren möchte, kann den TEDx-Talk der Autorin „Theorie U to go“ aus dem Jahr 2019 ansehen.

Im Buch selbst stellt der Anhang – im Original „Anhang, der sich wirklich zu lesen lohnt“ – alle verwendeten Methoden mit Hinweisen zur Vertiefung vor.

Wer die Theorie U schon kennt, wird die einzelnen Stationen des U-Prozesses in der Handlung wiedererkennen.

Beides, und das ist Absicht. Die Autorin beschreibt es so: „Mutwärts“ ist ein Roman über Coras Reise zu sich selbst und zugleich ein Praxisbuch mit zahlreichen Coaching-Methoden, die quasi am Wegesrand auftauchen und zum Ausprobieren einladen.

Die Handlung ist durchgehend erzählt; die Methoden tauchen dort auf, wo die Figuren sie brauchen. Der Anhang ordnet sie anschließend systematisch ein.

Wer ein reines Sachbuch mit Tools, Grafiken und Literaturverzeichnis sucht, ist mit den beiden Praxisbüchern der Autorin bei Springer Gabler besser bedient.

Wer konkrete, direkt einsetzbare Werkzeuge in Sachbuchform sucht, wird hier nicht fündig – dafür gibt es die Praxisbücher der Autorin.

Auch braucht es die Bereitschaft, sich auf eine Erzählung einzulassen; wem der Zugang zur Hauptfigur fehlt, dem wird das Buch wenig geben.

Die Autorin selbst hatte beim Schreiben den Eindruck, dass das Buch eher Frauen anspricht als Männer, obwohl das nicht ihre Absicht war – Rückmeldungen männlicher Leser widersprechen dem.

Und: Das Buch ist durch und durch Ausdruck positiven Denkens. Dem muss nicht jeder folgen.

Eine Testleserin hat genau hier widersprochen: Ihr eigenes inneres Team sei eher ein Gruselkabinett. Andriofs Antwort darauf: Auch Coras Teammitglieder haben neben der kraftvollen Seite Risiken und Nebenwirkungen – und ein Gruselkabinett ist ein Startpunkt, an dem sich nach der positiven Absicht der unangenehmen Anteile fragen lässt.

Nein. Cora wandert wiederholt auf Jakobswegen, und wer bibelfest ist, wird im Text Zitate erkennen – beides sind literarische Bezüge, keine Glaubensaussagen.

Das Buch vertritt keine religiöse Position und lädt auch zu keiner ein. Dass es im Handel teilweise unter „Christliche Meditation & Spiritualität“ geführt wird, liegt an der Kategorisierung des Händlers, nicht am Inhalt.

Inhaltlich ist es ein Roman über Selbstführung, der mit Achtsamkeits- und Coaching-Methoden arbeitet.

Teil III des Buchs beschreibt eine tiefe Krise, die sich als depressive Phase lesen lässt. Die Autorin weist selbst darauf hin, weil sie nicht möchte, dass Leser:innen in einer schwierigen Lebenssituation davon weiter heruntergezogen werden.

In Teil IV gibt es an einer Stelle eine sinnliche Szene, die aus Sicht der Autorin nicht jugendschutzrelevant ist. Ansonsten enthält das Buch keine Inhalte, auf die vorab hingewiesen werden müsste.

Wer sich gerade selbst in einer schwierigen Phase befindet, sollte diese Kapitel bewusst und im eigenen Tempo lesen – oder zunächst überspringen und später darauf zurückkommen.

{{ANTWORT_AUTORIN}} – Cora lässt am Ende einiges offen. Die Frage nach einem zweiten Teil hat die Autorin selbst aufgeworfen; die Antwort steht noch aus.

Leseprobe: Hank erklärt das innere Team

Aus Teil I, Kapitel 2 „Hank hilft“ (S. 16 f.). In dieser Szene hört Cora zum ersten Mal von den Wesen, die ihr inneres Team bilden – und begegnet währenddessen dem ersten von ihnen.

Und dann teilt Hank etwas mit mir, das mein Leben verändern sollte:

„Wir alle lassen Menschen in unser Leben. Wir erlauben ihnen, dass sie uns ein Stück begleiten und beeinflussen, all so etwas. Familie, Freunde, Gefährten, Lehrer. Das ist schön und wichtig. Nur das meine ich nicht. Auf einer anderen Ebene und meist unbewusst gibt es Impulse, die wir in unsere Persönlichkeit einlassen. Keine Menschen aus Fleisch und Blut. Klar. Und doch sehr konkrete Wesen. Sie bringen etwas in unser Leben, das dort vorher gefehlt hat. Sie prägen uns und bleiben doch schemenhaft und verborgen, solange wir sie nicht direkt ansehen. Sie bewusst machen. Wenn du zurückguckst und dein Leben betrachtest, dann kannst du sie finden und …“

Hank neigt den Kopf und mustert mich interessiert. „Du hast schon eines gefunden. Ich sehe es an deinem flatternden Blick. Magst du das bitte noch ganz kurz zurückstellen und mir weiter zuhören?“ Schwierig, denke ich, und schaue verwundert auf einen kleinen Jungen, der mitten im Raum steht, mich frech anguckt und eine dicke rosa Kaugummiblase platzen lässt. Es riecht ein wenig nach Hubba Bubba.

© Cornelia Andriof: Mutwärts. Coras Weg. Bubble Your Hub 2026. Abdruck mit Genehmigung der Autorin.

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Über die Autorin: Cornelia Andriof

Cornelia Andriof ist Beraterin, Coach und Moderatorin. Sie begleitet Unternehmen und Führungskräfte in Veränderungsprozessen, mit Schwerpunkt auf Führung und Kommunikation, und verbindet dabei Ansätze der strategischen Unternehmensberatung mit Haltung und Methoden des NLP und des systemischen Coachings.

Sie ist Inhaberin von Kraft & Partners Deutschland, einer Personengesellschaft mit Sitz in Oberursel, und arbeitet deutschlandweit auf Deutsch und Englisch.

Ausbildung

Studium der Germanistik (Deutsche Philologie), Publizistik und Politikwissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, Magister Artium 1993. Promotion in Deutscher Philologie an der Technischen Universität Berlin 1997 mit einer Arbeit über Weltsituationen in der Lyrik Peter Huchels.

NLP Practitioner (2004–2005) und NLP Master (2006) an der Change Works Akademie Wiesbaden, zertifiziert nach den Standards des DVNLP. Systemischer Business Coach an der Explorers Akademie Frankfurt (2007–2008). Weiterbildungen in Design Thinking (wbs Akademie Stuttgart, 2017) und Agile Masterclass (Hello Agile, Wiesbaden, 2019).

Beruflicher Weg

Erste Station war von 1995 bis 1997 eine Tätigkeit als Trainerin für Computerschulungen bei upgrade! in Berlin. Ab 1997 baute sie bei der Kommunikationsberatung Hering Schuppener (heute FGS Global) die Corporate Practice auf und führte sie; von 2001 bis 2011 war sie Mitglied der Geschäftsleitung am Standort Frankfurt.

Parallel entstand ab 2008 der Coachingbereich von Kraft & Partners, den sie 2011 als eigenes Unternehmen ausgründete. Als Kommunikationsberaterin arbeitet sie seit 1997, als Coach seit 2005 – rund 15 Jahre bei Hering Schuppener / FGS Global und inzwischen rund 15 Jahre selbstständig.

Ihre Kundschaft kommt überwiegend aus dem Mittelstand, mit Schwerpunkten in Pharma, Maschinenbau und Entsorgung; etwa die Hälfte der bislang mehr als 70 Kundenprojekte waren größere Change- oder Organisationsentwicklungsvorhaben. Ehrenamtlich ist sie als Kriseninterventionshelferin im Einsatz.

Lehre

Lehrauftrag „Präsentations- und Kommunikationstraining“ im Masterstudiengang Communicationmanagement an der Universität Leipzig (2008–2012); Lehrauftrag „Unternehmenskommunikation“ an der accadis Hochschule Bad Homburg (2015–2019); Lehrauftrag „Präsentation und Kommunikation“ an der EBS European Business School, Oestrich-Winkel (2019–2020).

© Cornelia Andriof: Mutwärts. Coras Weg. Bubble Your Hub 2026. Abdruck mit Genehmigung der Autorin.

Weitere Veröffentlichungen

  • Praxisbuch für wirksame Veränderung – mit der Theorie U arbeiten. Springer Gabler 2021, 2., erweiterte Auflage 2024. ISBN 978-3-662-69928-7. Bei Springer
  • Praxisbuch für wirksame Führung – mit der Theorie U arbeiten. Springer Gabler 2023. ISBN 978-3-662-68091-9. Bei Springer
  • „Ich bin doch keine Cola-Dose“. In: Marina Zayats (Hrsg.): Digital Personal Branding. Über den Mut, sichtbar zu sein. Springer Gabler 2020, S. 37–45.
  • „Ein Mini-U fürs Training“. In: Training aktuell, Dezember 2021, S. 10–14. Zum Artikel

Vorträge und Podcasts (Auswahl)

  • TEDx-Talk „Theorie U to go“, TEDx Gallus Woman, Frankfurt am Main, Dezember 2019. Video ansehen
  • „Impulse für Lehrende“ (Goethe-Institut) mit Renate Köhl-Kuhn zur Theorie U. Zur Episode
  • „Unboxing Agile“ mit David Hillmer: Wirksame Veränderung mit der Theorie U. Zur Episode
  • „Ja KlaHR!“ mit Stefan Berndt: Change im Fokus. Zur Episode
  • „Führung Pur“ mit Rainer Hoven. Zur Episode
  • „LinkedIn Lounge“ mit Tomas Herzberger. Zur Episode

Persönliche Verbindung zum Thema

In zwei Praxisbüchern und ihrem TEDx-Talk hat Cornelia Andriof die Theorie U als Ansatz für wirksame Veränderung vorgestellt und anhand von Fallbeispielen gezeigt, wie sich damit arbeiten lässt.

Der Anstoß für den Roman entstand 2023 auf einer sechswöchigen Wanderung von rund 900 Kilometern durch Spanien, unmittelbar nach der Abgabe ihres zweiten Sachbuchmanuskripts: Sie wollte weiterschreiben, aber kein drittes Sachbuch, weil die Gefahr der Wiederholung zu groß gewesen wäre – sie schreibt, wie sie sagt, nur Bücher, die es noch nicht gibt.

Entstanden ist daraus der vermutlich erste Theorie-U-Roman: dieselbe Methodik, dazu „eine große Schippe Fantasie und ganz viele Wanderkilometer“.

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